Anlässlich ihrer Wiedereröffnung nach Abschluss der baulichen Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit präsentiert die Kebbel Villa in Zusammenarbeit mit der Boris Lurie Art Foundation die Ausstellung NEIN! Boris Lurie und NO!art.
Die Eröffnung der Ausstellung und die Wiedereröffnung der Kebbel Villa finden am So, 26. April 2026 um 11 Uhr statt. Es sprechen:
Im Anschluss: Performance „Boris Lurie: Echoes of Memory – Music, Art, and the Holocaust” von Ilana Zaks-Nederlander. Einführung von Stephanie Stebich, Executive Director der Boris Lurie Art Foundation
Boris Lurie (1924 Leningrad, UdSSR – 2008 New York, US) wuchs in Riga, Lettland, auf und überlebte das Ghetto von Riga sowie die Konzentrationslager Stutthof und Buchenwald. Seine Mutter, seine Großmutter, seine jüngere Schwester und seine Jugendliebe wurden 1941 beim Massaker von Rumbula ermordet. 1946 wanderte Lurie mit seinem Vater in die Vereinigten Staaten aus, wo er bis zu seinem Tod 2008 in New York lebte und arbeitete. Er beschrieb sich selbst als „privilegierten“ Überlebenden, sah sich nie in der Rolle eines Opfers, doch die Auseinandersetzung mit Gewalt, Machtmissbrauch und kollektiver Ohnmacht prägte sein künstlerisches Schaffen.
Als weitgehend autodidaktischer Künstler entwickelte Lurie eine kompromisslose Bildsprache, die Collage, Malerei, Fotografie und Assemblage verband. Häufig stellte er Bilder des Holocaust Motiven der Populärkultur gegenüber, wodurch seine Arbeiten eine direkte politische und soziale Provokation erzeugten. 1959 gründete er zusammen mit Sam Goodman und Stanley Fisher die NO!art-Bewegung, die sich als radikale Avantgarde-Anti-Kunst-Bewegung verstand. Unter programmatischen Titeln wie Doom, Involvement oder Vulgar behandelten ihre Ausstellungen Themen wie Imperialismus, Rassismus, Sexismus, Konsumismus, Krieg, Völkermord und nukleare Bedrohung. Kunst sollte dabei nicht nur ästhetisch wirken, sondern als soziale Intervention verstanden werden. Die Gruppe besteht bis heute.
Die Ausstellung in der Kebbel Villa zeigt zentrale Werke aus verschiedenen Schaffensphasen Luries, beginnend mit seiner frühen War-Serie ab 1946. Darüber hinaus umfasst die Ausstellung erstmals öffentlich präsentierte Arbeiten, in denen deutsche Wörter und Ausdrücke – wie das titelgebende „NEIN“ – im Zentrum stehen, sowie ausgewählte Werke seiner NO!art-Kollegen Goodman und Fisher.
Luries Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt, darunter im Museum of Jewish Heritage, New York (2022), im Kunstmuseum Riga Bourse (2020), im Jüdischen Museum Berlin (2016) und in der Galerie Agnès B., Paris (2003). Nach seinem Tod trugen Forschungs- und Ausstellungsstipendien sowie die Boris Lurie Art Foundation zur Erhaltung und internationalen Sichtbarkeit seines Werkes bei.