Anzhelika Palyvoda
(UA)

12.09.26 – 28.09.26
Partner: Gastkünstler:in

Anzhelika Palyvoda (geb. 2000 in Kiew, Ukraine) ist eine in Wien lebende Künstlerin, die in den Bereichen Malerei, Installation und Klang arbeitet. In ihrer Praxis erforscht sie das Gedächtnis als fragmentierte und sich wandelnde Struktur und untersucht, wie persönliche und kollektive Geschichten in Materialien, Räumen und alltäglichen Gesten verankert werden. Sie bewegt sich zwischen intimen Erzählungen und übergeordneten historischen Realitäten und arbeitet an der Schnittstelle grundlegender menschlicher Erfahrungen: Freude und Trauer, Fürsorge und Verlust, Erinnern und Vergessen.

Für Palyvoda ist Erinnerung kein statisches Archiv, sondern eine emotionale Verbindung über die Zeit hinweg, die Menschen, Orte und Ereignisse miteinander verbindet. In Zeiten, die von Krieg und Gewalt geprägt sind, sind diese fragilen Verbindungen oft die ersten, die zerbrechen. Ihre Arbeit fragt danach, wie solche Bindungen trotz Vertreibung, Zerstörung oder Abwesenheit fortbestehen und wie kleine Gesten der Fürsorge und Aufmerksamkeit zu stillen Formen des Widerstands gegen das Vergessen werden können.

Ihr Langzeitprojekt „Aperta Hortus“ untersucht den Garten als physischen und symbolischen Raum – einen Ort, an dem sich Fürsorge, Gewalt und zyklische Zeit überschneiden. Ausgehend von Familienarchiven, mündlichen Überlieferungen und volkstümlichen Landschaften reflektiert ihre Arbeit die fragilen Mechanismen, durch die Erinnerung über Generationen hinweg bewahrt und transformiert wird.

Wiederkehrende Motive wie Perforation und Wiederholung fungieren sowohl als Material als auch als Prozess. Perforierte Oberflächen werden ebenso zu Spuren der Abwesenheit wie der Anwesenheit, während sich wiederholende Gesten Zyklen des Bruchs und der Wiederherstellung heraufbeschwören. Tonaufnahmen – Familiengespräche, Lieder, Umgebungsgeräusche – erweitern diese Untersuchungen auf den Bereich der Schallwellen und lassen Erinnerung nicht nur als Bild, sondern auch als Atmosphäre entstehen. Anstatt eigenständige Objekte zu schaffen, entwirft sie Werke, die als Fragmente größerer Erzählungen fungieren – Überreste von etwas, das einst ganz war, oder Versuche, Teile wieder miteinander zu verbinden, die unterbrochen, verlagert oder verloren gegangen sind. Ihre Installationen fügen diese Fragmente zu Umgebungen zusammen, die die Betrachter dazu einladen, durch eigene Assoziationen Verbindungen herzustellen und unbewusst Teil davon zu werden.

Die in Kiew geborene Palyvoda studierte Monumental- und Staffeleimalerei an der Nationalen Akademie der Bildenden Künste und Architektur (Kiew), bevor sie ihr Studium an der Universität für angewandte Kunst (Wien) fortsetzte, wo sich ihre Praxis auf Installationen und räumliche Arbeiten ausweitete. Neben ihrer künstlerischen Arbeit kuratiert sie den von Künstler:innen geführten Raum arka arka, was ihr anhaltendes Interesse an kollaborativer Ausstellungsgestaltung und am Dialog zwischen Künstler:innen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten widerspiegelt.

www.instagram.com/palyvoda_anzhelika
anzhelika-palyvoda.cargo.site

(Foto © Jura Golik)

Anzhelika Palyvoda: KRANZ, 2026
Anzhelika Palyvoda: KRANZ, 2026
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